Wir erwarten eine Reaktion in Herrsching

Wie man mit einer solchen deutlichen Klatsche gegen den TV Rottenburg umgeht? Headcoach Marco Donat fällt die Antwort am Tag nach dem „Katastrophenspiel“, wie von ihm völlig zutreffend zusammengefasst, nicht leicht. Das liegt nicht daran, dass ihm Informationen fehlen würden: Man brauchte als Zuschauer und Volleyball-Laie keine Statistiken, um zu sehen, dass die HEITEC VOLLEYS völlig von der Rolle waren, kopflos agierten und total verkrampft wirkten – das Ganze fühlbar in den viel zu wenigen Emotionen, stattdessen überwogen ratlose Gesichter und eine erschreckend schwache Körpersprache. Und fehlte es an Cleverness: Statt den Aufschlagdruck zu reduzieren, wollte die Mannschaft mit Gewalt durch die eigentlich offene Tür in Spiel. Es waren sagenhafte 30% Aufschlagfehler, 19 verschlagene Services:  Die Gäste aus dem Schwabenland mussten nur noch die Punkte einsammeln, die ihnen allzu großzügig ins Netz geworfen wurden.

Nein, Donat sucht nach den richtigen Worten, wie er mit seiner Mannschaft hart ins Gericht geht, aber gleichzeitig den Weg zur richtigen Reaktion weist. Denn die muss schnell kommen, steht mit dem Samstagsspiel in Herrsching schon die nächste Bewährungsprobe ins Haus. Und das Spiel muss sitzen, ein Ausrutscher und gar so einer, das sei genug, findet der wie immer direkte Bottroper.

„Wir haben jetzt acht Spiele hinter uns. In den ersten beiden Spielen hatten wir ein Annahmeproblem und gleich die großen Clubs als Gegner. Bei den Netzhoppers haben wir nicht die Chance zum Sieg genutzt. Aber wir liefern dann vier sehr gute Spiele in Folge ab, was bedeutet, dass die Mannschaft mit der neuen Libero-Konstellation Potential hat und es auch abruft. Das macht die enttäuschende Niederlage vom Mittwoch nur noch unverständlicher. Wir haben als Team versagt und auch ich war am Ende ratlos, weil die Leistung auf dem Feld nichts mehr mit Volleyball zu tun hatte.“

Mit den Spielern wurden bereits am Abend der Niederlage erste Einzelgespräche geführt, um zu verstehen, warum das Team nie in Fahrt gekommen ist. Die Mannschaftsbesprechung und die Vorgaben für das Wochenende stehen am Donnerstagabend auf dem Plan. Und hier zeigt sich Donat kompromisslos: „Ich erwarte eine deutliche Trotzreaktion von allen Spielern. Ob die Herrschinger Halle zu klein, zu laut und zu eng ist, das spielt keine Rolle.“ Der HEITEC VOLLEYS Coach erwartet wie gegen Giesen und Friedrichshafen deutlich sichtbare Spielfreude und die entsprechende Körpersprache. In Herrsching müsse man ‚Eier haben‘ und dürfe sich nicht einschüchtern lassen. Donat legt noch einen nach: „Wir sind Profis und haben eine Verantwortung gegenüber unseren Fans und den Sponsoren. Wer diese Challenge nicht annehmen kann und mit dem Druck eines wichtigen 6 Punkte-Spiels nicht umgehen kann, der muss sich dringend hinterfragen. Den Welpenschutz als Neuling haben wir ausgereizt, seit Mittwoch heißt es nur noch beißen und kämpfen, im Training und auf dem Spielfeld.“

Noch deutlicher wird HEITEC VOLLEYS-Macher Rolf Werner: „Das Desaster gegen Rottenburg sehe ich als einmaligen kollektiven Aussetzer. Denn bisher haben die Jungs im Training und auf dem Spielfeld gut gearbeitet. Aber als Vereinsführung erwarten wir eine deutliche Reaktion in Herrsching, wir haben viel an Boden verloren und müssen daher Vollgas geben. Die Schonfrist ist vorbei, was zählt ist nur die Leistung eines jeden Einzelnen und des Teams.“

Am Ende gehe es um Wiedergutmachung in Herrsching, für die HEITEC VOLLEYS Fans, aber auch für das Eltmanner Team selbst. Werner glaubt, dass es ein Match gegen eine Mannschaft auf Augenhöhe werde und somit ein heißer Tanz in der Nikolaushalle. Aber er fordert nachdrücklich: „Wir haben in der Vorbereitung gegen Herrsching gewonnen, wir wissen, dass wir bessere Spiele abliefern können und das müssen wir am Samstag auf die Platte bringen.“

Es muss also eine Trotzreaktion her, mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch, aber auch mit Geduld, Nerven und Cleverness. Dass am Samstag die nur mit Ausnahmegenehmigung bespielte Nikolaushalle zu klein, zu laut, zu eng sein mag, das spielt alles keine Rolle mehr. „Der Weg in Richtung Klassenerhalt geht nur noch nach oben, Zögern ist keine Devise.“, gibt HEITEC VOLLEYS Trainer Marco Donat seinen Spielern mit auf den Weg an den Ammersee.