Franken, Schwaben und zwei Japaner mittendrin

Ein Sieg muss her: Beide Teams geben sich kampfbetont

Der morgige Heimspieltag der HEITEC VOLLEYS gegen den TV Rottenburg steht unter japanischen Vorzeichen. Es wird auch ein Duell der beiden gegnerischen Liberos.
Und nicht zuletzt müssen beide Teams punkten. Der Aufsteiger HEITEC VOLLEYS hat aus 6 Spielen einen klaren 3:0-Sieg herausgearbeitet und damit 3 Tabellenpunkte auf dem Zähler, er belegt aktuell den vorletzten Platz im Ranking. Rottenburg hat in 5 Spielen zwei knappe 2:3-Niederlagen mitgenommen, das bringt den Schwaben 2 Punkte in der Tabelle und macht sie zum Tabellenletzten. D.h., das Spiel wird von Anfang an hitzig werden und werden von ihren beiden Headcoachs sehr ähnliche Anweisungen bekommen: das Spiel über den Kampf zu gewinnen und keines die Zügel schleifen zu lassen.

Japan gegen Japan: Das Duell der Liberos

Fast identisch mit der sehr knappen Tabellensituation ist die Ausgangslage, was die Schaltstelle für Annahme und Abwehr betrifft. Auf beiden Seiten zeichnen japanische Liberos verantwortlich, und wenn japanische Volleyballspieler etwas beherrschen, dann das Element des ersten Ballkontakts. Legendär Nippons Nationalmannschaften, die den drei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen 1964-1972 Bronze, Silber und Gold holten. Sie standen für über ein Jahrzehnt für die Weltspitze im Hallen-Volleyball mit ihrer katzenartigen Beweglichkeit in der Abwehr, der kraftvollen Dynamik im Angriff und machten aus dem japanischen Volleyball bis heute einen Volkssport, wie das hierzulande nur für König Fußball gilt.

Taichi Kawaguchi ist 24 Jahre alt, hat bis 2018 für seinen Club Toyoda Gosei Trefuerza gespielt und ging dann für eine Saison zu Savo Volley Kuopio nach Finnland. Dort hatte ihn der aktuelle Trainer der Rottenburger Christophe Achten im Ligabetrieb unter Beobachtung und als er dem Ruf in die schwäbische Neckarstadt folgte, erinnerte er sich diesen Sommer an den japanischen Libero im Konkurrenzclub und verpflichtete diesen für die Bundesliga. Für die Rottenburger bedeutete er eine deutliche Aufwertung des Teams, kämpften sie in den beiden Jahren zuvor mit einer wenig konstanten Annahme, die nun mal das A und O im Volleyball ist.

Shunsuke Watanabe hat mit 31 Jahren deutlich mehr Erfahrung durch 9 Jahre bei Toray Arrows und das eine Jahr mit den Drachengöttern -so der durchaus ernstgemeinte Ehrentitel für die japanische Nationalmannschaft. Er folgte vor 14 Tagen dem Ruf nach Europa, denn was Japans Volleyball an Athletik und Dynamik hat, das fehlt ihm Vergleich zur Bundesliga und der europäischen Spitze an Reichhöhe und Angriffshärte. Das will sich der Mann aus Hokkaido erarbeiten, gemäß dem Motto, dass es nie zu spät für neue Erfahrungen sei.

Interessant auch die Auswertung des jeweils letzten Spiels: Kawaguchi kam im Spiel gegen Düren nur auf 10 Services, die auf ihn aufgeschlagen wurden und das mit einer Annahmequalität von 50%. Das heißt, dass der Gegner ihn bewusst mied und sich die schwächeren Annahmespieler heraussuchte. Ähnlich die Statistik für Watanabe: bei ihm waren es 13 Bälle und 54% in der Qualität. Für ein erstes Spiel mit seinem neuen Team ein guter Wert und auch hier spürbar der Respekt des Gegners AlpenVolleys, der um die Qualitäten des agilen Japaners wusste.
Sicherlich ist der Schlüssel zum Sieg der HEITEC VOLLEYS die Annahme und die Abwehr, damit kommt beiden Spielern eine mehr als zentrale Rolle im morgigen Match zu.

Österreichs Nationalblocker Jurkovics gegen Ex-Verein

Im fränkisch-schwäbischen Derby möchte aber auch Mathäus Jurkovics mitreden und mitspielen. Der 21-jährige Österreicher hat in den letzten drei Spielen eine starke Formkurve nach oben. Für den verletzungsbedingt ausgefallenen Roosewelt Filho musste Mathäus durchspielen und nutzte seine Chance. Das Extralob von Headcoach Marco Donat nahm er gerne mit, aber auch ohne das brennt Jurkovics, denn er möchte zeigen, dass er sich zur Vorsaison in ehemaligen Club TV Rottenburg deutlich verbessert hat. „Gegen meinen Exverein zu spielen, darauf freue ich mich schon sehr. Bei Rottenburg hat sich sehr viel geändert zum letzten Jahr, auch der Trainer. Natürlich erwarte ich mir einen Sieg gegen Rottenburg und das mit großer Unterstützung unserer Fans. Letztes Jahr in Rottenburg kam ich leider nur ganz wenig zum Spielen, was diese Saison anders ist.“ Für den Österreicher, der auch für die Nationalmannschaft spielt und dem Österreichs Headcoach Michael Warm viel zutraut, sind neben der Annahme aber auch die Verbesserung im Angriff und ein bissigeres Abschlussverhalten wesentlich. Sich nicht ausnehmend, fordert er vom Team der HEITEC VOLLEYS denselben Aufschlagdruck wie gegen die AlpenVolleys ein, aber das Ganze mit weniger Fehlern. Das dies ein Balanceakt ist, weiß der 2,11m-Riese am besten: Trifft er den Ball perfekt, dann kann sein Flatter-Aufschlag zur echten Waffe gegen die Schwaben werden.

HEITEC VOLLEYS Headcoach Marco Donat weiß um die Brisanz des Heimspiels und wie richtungsweisend das morgige Ergebnis sein kann. Das Ganze im Kontext einer Liga, in welcher die Teams in dieser Saison extrem dicht beieinander liegen. „Wir freuen uns, endlich mal wieder zu Hause spielen zu dürfen. Die Mannschaft brennt und ist top motiviert, die guten Spiele gegen Frankfurt, Berlin, Friedrichshafen und Unterhaching in zählbare Punkte gegen den Mitbewerber auf den Klassenerhalt umzusetzen.“ Aber Donat weiß auch, dass Rottenburg durch den Überraschungserfolg im Pokal gegen die AlpenVolleys ordentlich Selbstbewusstsein getankt hat. Aber auch er gibt sich kämpferisch: „Mit unseren fantastischen Fans im Rücken werden wir alles geben und 3 Punkte für Eltmann holen.“